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DIGITAL EXCELLENCE

Impulse, Gedanken Einblicke

Die neue Logik der Transformation

Der stille Gamechanger der Transformation: Warum Unternehmen alte Skills einkaufen müssen, um neue zu entwickeln

Autor: Dr. Alexander Hildenbrand

 

Die Zukunft gehört den Lernfähigen – das ist unbestritten. Doch viele Unternehmen übersehen dabei eine entscheidende Voraussetzung: Lernen braucht Raum. Und dieser Raum ist in den meisten Organisationen schlicht nicht vorhanden. Stattdessen herrscht Dauerbetrieb, operative Überlastung und ein ständiger Spagat zwischen Tagesgeschäft und Transformation.

In dieser Situation entstehen gut gemeinte, aber realitätsferne Initiativen. Mitarbeitende sollen sich neben ihrer regulären Arbeit „neue Skills aneignen“ – von Data Literacy über Agile Working bis hin zu künstlicher Intelligenz. Doch in der Praxis scheitert dieser Anspruch an der fehlenden Kapazität.

Die Lösung liegt in einem Perspektivwechsel

Bevor neue Kompetenzen aufgebaut werden können, müssen bestehende Aufgaben reduziert oder abgegeben werden. Das bedeutet konkret: Unternehmen müssen bewusst alte, etablierte Skills temporär zukaufen, um ihre eigene Belegschaft gezielt für die Zukunft zu entwickeln.

Was heißt das genau?

Nicht die Zukunft wird extern eingekauft – sondern die Vergangenheit wird delegiert. Es geht darum, operative Routineaufgaben, klassische IT-Wartung, Administration oder manuelle Prozesse von spezialisierten Dienstleistern übernehmen zu lassen, um die internen Ressourcen freizuspielen.

 

 

Diese Strategie schafft vier zentrale Vorteile:
  1. Freiraum für Lernen und Entwicklung:
    Mitarbeitende bekommen Zeit, Energie und mentale Kapazität, um sich auf neue Themen zu konzentrieren.
  2. Strategischer Fokus:
    Das Unternehmen richtet seine internen Ressourcen gezielt auf strategisch relevante Zukunftskompetenzen aus.
  3. Kulturelle Entlastung:
    Transformation wird nicht zum zusätzlichen Stressfaktor, sondern als gestaltbarer Prozess erlebbar.
  4. Organisatorische Agilität:
    Externe lassen sich flexibel steuern – sie sichern Stabilität, ohne langfristige Strukturen zu blockieren.

Der scheinbare Nachteil dieser Lösung – die höheren kurzfristigen Kosten – ist bei genauer Betrachtung ein Investitionsvorteil. Denn was wirklich teuer ist, ist nicht der externe Dienstleister. Teuer ist Stillstand. Teuer ist eine Belegschaft, die überfordert ist und sich weder entwickeln noch entfalten kann. Teuer ist die Lücke zwischen ambitionierter Digitalstrategie und gelebtem Alltag.

 

Wie sieht die Umsetzung aus?
Ein smarter Einstieg in diese Skill-Strategie kann so aussehen:

  • Analyse: Welche Kompetenzen brauchen wir in 2–3 Jahren dringend?
  • Bestandsaufnahme: Welche Aufgaben halten uns heute davon ab, sie aufzubauen?
  • Entlastung definieren: Welche dieser Aufgaben können wir temporär extern vergeben?
  • Lernarchitektur planen: Welche neuen Skills sollen intern entstehen – und wie schaffen wir den Übergang?
  • Exit-Szenario gestalten: Wie führen wir externe Ressourcen wieder zurück, sobald die internen Teams bereit sind?

Diese Vorgehensweise ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Ausdruck moderner Führungsintelligenz. Sie verbindet ökonomische Klarheit mit strategischem Weitblick. Unternehmen, die heute alte Aufgaben einkaufen, kaufen sich damit Zeit, Fokus und Zukunft.

Denn wahre Transformation entsteht nicht durch das bloße Hinzufügen neuer Anforderungen – sondern durch das gezielte Freimachen von Ressourcen. Wer das versteht, kann Wandel nicht nur einleiten, sondern auch nachhaltig gestalten.

Kurz gesagt:
Bevor neue Skills gedeihen können, muss das Feld bestellt werden. Und manchmal bedeutet das: sich professionelle Unterstützung für die Ernte der Vergangenheit zu holen – damit im eigenen Haus Neues wachsen kann.